„free an activist“ ist eine un­kom­mer­zi­elle Crowd­fun­ding-Platt­form zur fi­nan­zi­el­len Un­ter­stüt­zung von Ak­ti­vist*innen.

Kritik und Selbstkritik

Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Wir finden die Idee von free an activist gut, sonst hätten wir sie nicht umgesetzt. Dennoch sehen wir auch problematische Aspekte und diese möchten wir hier benennen.

Festigt Spenden die politische Passivität der Spender*innen?

Wenn wir in dieser Frage von „Passivität“ sprechen, dann meinen wir das nicht im Sinne eines Vorwurfs. Vielmehr ist es traurig, sich selbst in einer Situation zu erleben, in der man davon ausgeht, dass man sein gesellschaftliches Umfeld nicht mitgestalten kann. Das Spenden, hier an einzelne Aktivist*innen, woanders an z.B. Umweltverbände, kann womöglich die Illusion festigen, dass man selbst nicht handelndes Subjekt in der Gesellschaft sei, sondern eben lediglich ein bisschen Geld spenden kann.

Womöglich baut man mit dem Akt des Spendens auch ein wenig Druck ab, der in der Spannung entsteht, zwischen dem Wissen, dass etwas geändert werden muss und dem Glauben, nicht wirklich etwas verändern zu können. Immerhin tut man dann ja wenigstens ein bisschen was, so viel man halt eben kann. Wir glauben, dass es einerseits durchaus ein Problem ist, dass so viele Menschen das politische Handeln anderen überlassen. Wir tendieren aber zu der Annahme, dass sich niemand davon abhalten lassen wird, seine eigenen Ideen zur Änderung der Zustände umzusetzen oder sich aktiven Gruppen anzuschließen, bloß weil er/sie ja schon irgendwo irgendwas spendet.

Andersherum gedacht: Wenn man sich die Frage stellt, wie man Menschen dazu bewegen kann, selbst in der Gestaltung ihres gesellschaftlichen Umfeldes aktiv zu werden, wäre es unserer Meinung nach ein recht abwegiger Gedanke, man müsse (wie auch immer, sei einmal dahin gestellt) dafür sorgen, dass sie aufhören irgendwo irgendwas zu spenden, nach dem Motto: Wenn jemand gar keine Möglichkeit mehr hat aktive Menschen zu unterstützen, dann wird er sicher selbst aktiv werden. Wir glauben nicht, dass das funktionieren würde. Hier müsste man anders ansetzen.

Wichtige und unwichtige Aktivist*innen, Stilisierung zu Held*innen

Eine recht bekannte Aktivistin, die wir angeschrieben haben, kritisiert neben oben bereits inkludieren Punkten Folgendes (dennoch hat Sie uns Ihre Unterstützung angeboten):

[Ich befürchte], dass ein solches Modell das Bild erzeugt, dass es wichtigere und weniger wichtige Aktivist_innen gebe (nämlich die, die in solchen Modellen unterstützt werden und die vielen, die keine Erwähnung finden). Was jedenfalls in meinem Fall hinzukommt (und grundsätzlich auch als Gefahr bei anderen besteht) ist die Verklärung einzelner Personen als Held_innen. Das marginalisiert die Nicht-Held_innen und zeichnet außerdem ein falsches (weil auf „Führungspersonen“ basierendes oder jedenfalls daran orientiertes Konzept politischer Aktivität). Außerdem verändert es teilweise auch die Stellung der geförderten Menschen in ihren jeweilige politischen Gruppen, weil sie plötzlich ein Privileg haben („Berühmtheit“ und Geld).

Diese Befürchtungen bzw. Effekte können wir nachvollziehen. Und wir haben darauf keine befriedigende Antwort.

Bildinformationen: Hintergrund: Wut auf der Straße.